Die aktuelle Wetterlage über Mitteleuropa entwickelt sich derzeit zu einem hochkomplexen Szenario, das Ihre volle Aufmerksamkeit im Straßenverkehr und bei Aktivitäten im Freien erfordert. Ein dynamisches Tiefdruckgebiet, das sich vom Ärmelkanal über die Benelux-Staaten bis nach Deutschland schiebt, sorgt für eine brisante Mischung aus extremen Windgeschwindigkeiten, intensiven Schneefällen und gefährlichem Glatteis. Wir stehen vor einer klassischen Luftmassengrenze, die Deutschland in zwei meteorologische Lager spaltet.

Der Norden und Osten: Schneesturm und Verwehungen
Während der Süden mildere Luft atmet, verbleiben der Norden und Teile der Mitte fest im Griff polarer Kaltluft. Das heranziehende Tief sorgt hier für eine kritische Wetterentwicklung. Der Wind dreht auf östliche Richtungen und frischt massiv auf. Besonders betroffen sind Regionen wie der Landkreis Vorpommern-Greifswald oder der Großraum Lübeck. Hier trifft der fallende Schnee auf stürmischen Wind, was zu erheblichen Schneeverwehungen führen kann.

Das Problem ist hierbei nicht nur die Neuschneemenge, die in einem Streifen von Sachsen bis nach Niedersachsen binnen weniger Stunden 10 bis 15 Zentimeter erreichen kann, sondern die Geschwindigkeit des Ereignisses. Wenn derartige Mengen in nur drei bis sechs Stunden fallen, kommt der Räumdienst kaum hinterher. In Kombination mit Böen, die an der Küste und im Binnenland Sturmstärke erreichen, werden Straßen binnen Minuten wieder zugeweht.
Der Süden und die Mitte: Die unsichtbare Gefahr des Glatteises
Südlich dieser Schneezone stellt sich die Lage gänzlich anders, aber nicht weniger gefährlich dar. Hier wird mildere Luft aus dem Atlantik herangeführt. Was zunächst positiv klingt, birgt ein hohes Risiko: Wenn Regen auf den tiefgefrorenen Boden trifft, entsteht augenblicklich ein Eispanzer. Besonders in den Übergangsbereichen, etwa im Landkreis Cham in der Oberpfalz oder westlich im Kreis Kleve, muss mit plötzlichem Blitzeis gerechnet werden.
In den Hochlagen der südlichen Mittelgebirge und der Alpen kommt ein weiterer Faktor hinzu: der Wind. Durch die sogenannte Südflanke des Tiefs wird die Luft stark beschleunigt. In exponierten Lagen wie dem Hochschwarzwald drohen Orkanböen, die Bäume entwurzeln und die Infrastruktur beschädigen können.
Aussichten bis Sonntag: Vom Sturm in den Tiefkühlmodus
Am Freitag verlagert sich der Schwerpunkt des Geschehens langsam südostwärts. Während der Wind an der Nordsee nochmals zu voller Stärke aufläuft – hier sind orkanartige Böen möglich –, zieht sich der Schneefall in der Nacht zum Samstag allmählich in Richtung Alpen zurück. Was uns am Ende des Wochenendes erwartet, ist eine deutliche Beruhigung des Wetters, jedoch unter strengen Vorzeichen. In der Nacht zum Sonntag klart der Himmel vielerorts auf. Über den frisch verschneiten Flächen strahlt die Wärme massiv in den Weltraum ab. Dies führt zu strengen Frösten. Rechnen Sie am Sonntagmorgen gebietsweise mit Tiefstwerten zwischen -10 und -15 Grad, in ungünstigen Lagen sind sogar bis zu -20 Grad möglich.

Fazit: Warum ist das aktuell so?
Die Ursache für diese Turbulenzen liegt in der Natur des Tiefdruckgebiets. Es handelt sich um eine sogenannte Shapiro-Keyser-Zyklone. Im Gegensatz zu normalen Tiefs entwickeln diese Systeme oft einen extrem starken Windkern auf ihrer Rückseite, den Meteorologen als Sting Jet bezeichnen. Dieser „Stachel“ der Zyklone drückt die Luft aus hohen Atmosphärenschichten mit Gewalt nach unten, was die extremen Böen an der Oberfläche erklärt. Gleichzeitig schiebt sich das Tief genau zwischen die kalte Polarluft im Norden und die milde Atlantikluft im Süden, was die Zweiteilung des Wetters (Schnee vs. Regen/Eis) verursacht.
Zusammenfassend gilt:
- Meiden Sie in den betroffenen Gebieten unnötige Autofahrten.
- Rechnen Sie im Norden mit unpassierbaren Straßen durch Verwehungen.
- Achten Sie im Süden und der Mitte auf spiegelglatte Flächen durch gefrierenden Regen.