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Fällt der Höhepunkt der fünften Jahreszeit ins Wasser oder bleibt die Narrenkappe trocken?

Sie haben sicher schon das Kostüm zurechtgelegt, die Wurfmaterialien sortiert und den Routenplan für die kommenden Tage im Kopf. Doch während Sie sich auf Schunkeln und Bützen vorbereiten, braut sich in der Wetterküche eine Mischung zusammen, die fast so bunt und unberechenbar ist wie ein Karnevalszug selbst. Wir schauen uns für Sie an, ob Sie am Wochenende die Sonnenbrille oder doch eher den Friesennerz brauchen und warum der Rosenmontag dieses Mal zur echten Rutschpartie werden könnte.

Der Start in das lange Karnevalswochenende verläuft zunächst noch vergleichsweise gnädig. Wenn Sie am sogenannten Nelkensamstag planen, den Straßenkarneval in Niedersachsen oder am Niederrhein unsicher zu machen, sollten Sie sich morgens nicht wundern, wenn Ihnen noch vereinzelt weiße Flocken auf die Nase fallen. Besonders im Bergland von Nordrhein-Westfalen und Richtung Teutoburger Wald kann es bei Werten um den Gefrierpunkt anfangs noch leicht rieseln. Aber keine Sorge: Im Laufe des Nachmittags übernimmt meist trockenes Wetter die Regie. Wenn Sie Glück haben, blinzelt zwischen dem Ruhrgebiet und dem Münsterland sogar die Sonne hervor und lacht mit den Jecken um die Wette.

DeWeKo_icon_d2_de_api_weather_code_F0_1770985906370 Fällt der Höhepunkt der fünften Jahreszeit ins Wasser oder bleibt die Narrenkappe trocken?
Sig Wetter in den nächsten 48 Stunden.

Der absolute Gewinner dieses Wochenendes dürfte jedoch der Sonntag sein. Egal ob Sie beim „Schull- un Veedelszöch“ in der Domstadt, beim „Mannem Ahoi“ in der Kurpfalz oder beim großen Zug durch die Häuserschluchten von Frankfurt am Main stehen: Der Himmel hat ein Einsehen. Ein kleines Zwischenhoch sorgt dafür, dass die Regenschirme weitgehend zugeklappt bleiben können. Allerdings hat die Medaille eine Kehrseite, und die heißt Kälte. Bei Höchstwerten, die im Bergland von Hessen und Bayern kaum über den Gefrierpunkt klettern und selbst am Rhein nur zögerlich die 6-Grad-Marke erreichen, ist das „Zwiebelprinzip“ unter dem Kostüm absolute Pflicht. Wer als Yeti oder Eisbär geht, hat hier klar den Vorteil gegenüber dem spärlich bekleideten Funkenmariechen.

Doch dann kommt der Rosenmontag, und mit ihm wird es meteorologisch kompliziert – um nicht zu sagen: haarig. Ein Tiefdruckgebiet, das sich derzeit noch bei den Britischen Inseln aufhält, nimmt Kurs auf uns und hat leider kein Konfetti, sondern eine Menge Niederschlag im Gepäck. In der Nacht zum Montag erreicht uns von der Eifel und dem Hunsrück her eine Wetterfront, die es in sich hat. Zunächst fällt Schnee, doch dann passiert das, was Autofahrer und Fußgänger gleichermaßen fürchten:

Der Schnee geht in Regen über. Besonders im westlichen Bergland und in Teilen von Rheinland-Pfalz besteht am Montagmorgen die akute Gefahr von Glatteis durch gefrierenden Regen. Wenn Sie also in Mainz oder Koblenz unterwegs sind, achten Sie bitte penibel auf den Boden unter Ihren Füßen – es könnte spiegelglatt sein. Im Tagesverlauf wird es zwar von Westen her deutlich milder und die Glättegefahr entspannt sich, aber trocken bleiben Sie in den Hochburgen am Rhein wohl kaum.

Der finale Dienstag, der den Straßenkarneval beschließt, zeigt sich dann von seiner ruppigen Seite. Wenn in Mönchengladbach die Wagen rollen oder in München die Marktfrauen tanzen, sollten Sie Ihre Kopfbedeckung gut festhalten. Ein kräftiger Wind fegt durch die Südwesthälfte der Republik. Von der Pfalz bis nach Franken müssen Sie mit steifen bis stürmischen Böen rechnen, die gut und gerne 50 bis 70 Kilometer pro Stunde erreichen können. Da fliegt Ihnen der falsche Bart schneller weg, als Sie „Helau“ rufen können. Dazu mischt sich vor allem in den Mittelgebirgen wie Rhön, Spessart und Westerwald immer wieder Regen oder Schneeregen in das Geschehen.

Warum ist das aktuell so?

Vielleicht fragen Sie sich, warum ausgerechnet am Rosenmontag diese gefährliche Glätte droht. Stellen Sie sich die Atmosphäre wie einen Schichtkuchen vor. Unten am Boden liegt noch die schwere, kalte Luft, die uns der Sonntag beschert hat – sozusagen der tiefgefrorene Tortenboden. Das Tiefdruckgebiet von den Britischen Inseln schaufelt nun aber sehr milde Luft in der Höhe zu uns heran.

Diese warme Luft ist leichter als die kalte und gleitet auf sie auf, wie eine warme Decke. Aus dieser warmen Luftschicht fällt Regen. Dieser Regen ist flüssig, weil es dort oben ja warm ist. Doch auf seinem Weg nach unten muss er durch die eiskalte Luftschicht am Boden. Wenn die Tropfen dann auf den gefrorenen Asphalt oder die kalten Pflastersteine treffen, gefrieren sie schlagartig zu einem Eispanzer. Das ist physikalisch faszinierend, aber für jeden Umzugsteilnehmer extrem unangenehm.

Fazit

Der diesjährige Straßenkarneval verlangt Ihnen wettertechnisch einiges ab: Kälte am Sonntag, Glättegefahr am Montagmorgen und Sturmfrisuren am Dienstag. Wenn am Aschermittwoch dann traditionell alles vorbei ist, steigen die Temperaturen ironischerweise spürbar an. Man könnte sagen, die Narren haben den Winter erfolgreich vertrieben – zumindest vorerst. Doch trauen Sie dem Frieden nicht zu sehr, denn die Wettermodelle deuten an, dass der Winter vielleicht nur kurz Luft holt, um später noch einmal zurückzuschlagen.

Angelo D Alterio

Angelo D'Alterio ist ein leidenschaftlicher Autor auf dem Gebiet der Meteorologie, der sich bereits seit dem Jahr 2013 intensiv mit Wetterphänomenen auseinandersetzt. Mit einem tiefen Verständnis für Unwetterwarnungen und Synoptik hat Angelo im Laufe seiner Karriere einen bemerkenswerten Beitrag zur Meteorologie geleistet. Im Jahr 2015 setzte er sein Wissen und seine Begeisterung produktiv ein, indem er Mitgründer und Chef-Meteorologe der Unwetteralarm Schweiz GmbH wurde, einer Initiative, die bis zu seinem Ausscheiden im Jahr 2021 wuchs. Anschließend inspirierte Angelo D'Alterio die Gründung der Meteoleitstelle Hessen, wo er seine Fachkenntnisse weiterhin einbringt. Durch seine Erfahrungen und Spezialgebiete, insbesondere im Bereich Unwetterwarnungen, etablierte er sich als renommierter Fachmann in der Meteorologen-Community. Neben seiner fachlichen Tätigkeit ist Angelo ein geschätzter Inhaltsersteller, dessen Artikel und Beiträge auf verschiedenen sozialen Plattformen zu finden sind. Sie können ihm folgen und sich mit ihm auf TikTok, Facebook, Threads, Twitter, Linkedin, sowie auf Instagram vernetzen und austauschen.

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