Das hier ist ein Skifahrer. Der Skifahrer trägt bunte Plastikschuhe, riecht nach Sonnencreme und möchte eigentlich mit viel Schwung den Berg runterrutschen. Aber wenn er nach unten schaut, sieht er kein strahlendes Weiß, sondern eher ein sattes Braun-Grün mit einer Note von Matsch. Das klingt komisch, ist aber so – und es hat Gründe, die wir uns heute mal genauer anschauen wollen.

Vielleicht habt ihr euch in den letzten Tagen auch gewundert, als ihr auf das Thermometer geschaut habt. Draußen sind es laue zwanzig Grad Celsius, was sich eher nach einem Picknick im Mai anfühlt als nach tiefstem Winter. Vor ein paar Wochen war die Welt noch komplett verkehrt herum: Da haben die Norddeutschen in Hamburg und der Lüneburger Heide ihre Schlitten aus dem Keller geholt und im Schneechaos festgesteckt, während man in den Bergen oft nur auf kahle Wiesen blickte. Diese Ironie des Wetters beobachten wir in letzter Zeit immer häufiger, und für die Betreiber der Skilifte ist das alles andere als lustig.
Um zu verstehen, warum die Winterträume gerade wie Butter in der Sonne wegschmelzen, müssen wir einen Blick hinter die Kulissen der Atmosphäre werfen. Da gibt es zum Beispiel Xanthippe, ein Tiefdruckgebiet auf dem Atlantik, und Yannick, ein kräftiges Hoch über Südeuropa. Zusammen arbeiten die beiden wie eine gigantische, unsichtbare Wärmepumpe, die milde Luft direkt zu uns schaufelt, während Yannick wie ein grimmiger Türsteher die kalte Polarluft einfach nicht reinlässt.

Dahinter steckt aber auch eine ganz einfache physikalische Regel des Klimawandels. Stellt euch die Nullgradgrenze wie eine unsichtbare Decke hoch oben im Himmel vor. Über dieser Decke ist es frostig, darunter ist es warm. Weil unsere Erde durch den menschengemachten Treibhauseffekt im Durchschnitt immer wärmer wird, wird diese unsichtbare Frost-Decke immer weiter nach oben in den Himmel geschoben. Wenn nun eine Wolke ihre Feuchtigkeit abgibt, fällt der Niederschlag ganz oben zwar noch als Schnee heraus, muss dann aber kilometerweit durch Luftschichten fallen, die deutlich wärmer als null Grad sind. Der Schnee schmilzt auf dem Weg nach unten einfach weg und kommt bei uns als schnöder Regen an, der dann auch noch den letzten Restschnee auf dem Boden gnadenlos wegspült.
Wer es ganz genau wissen will, fragt die Experten. Die Fachleute vom Deutschen Wetterdienst (DWD) haben das Ganze nämlich mal ganz präzise nachgerechnet, und ihre nackten Zahlen sprechen eine mehr als deutliche Sprache. Die Auswertungen des DWD zeigen: In den letzten siebzig Jahren hat sich die Anzahl der Tage, an denen in der gesamten Bundesrepublik überhaupt ein winziger Zentimeter Schnee liegt, bereits mehr als halbiert.
Besonders hart trifft diese Entwicklung unsere geliebten heimischen Mittelgebirge. Ob im Rothaargebirge, in der Rhön oder im Fichtelgebirge – die Daten des DWD belegen, dass die weiße Decke immer dünner und unzuverlässiger wird. In Willingen zum Beispiel ist laut den Wetterforschern die Wahrscheinlichkeit für eine ordentliche Schneeschicht von zehn Zentimetern um über dreißig Prozent gesunken.
Da fragt man sich natürlich: Kann man da nicht einfach mit Technik nachhelfen? Man kann, aber auch das hat Grenzen. Für künstlichen Schnee braucht man nämlich sogenannte Beschneistunden. Das sind die knappen Zeitfenster, in denen die Luft kalt und trocken genug ist, damit die Schneekanonen überhaupt loslegen können. Doch Untersuchungen des DWD zusammen mit Experten der Geosphere Austria zeigen, dass diese wertvollen Stunden immer seltener werden, besonders im für den Saisonstart so wichtigen Dezember. Selbst wenn man mit riesigem Aufwand einen einsamen weißen Streifen in eine ansonsten grüne Landschaft zaubert, bleibt die Frage, ob das am Ende wirklich das echte Wintergefühl ist.

Für die Zukunft bedeutet das, dass wir beim Urlaubsplanen ein großes Maß an Flexibilität mitbringen müssen. Der Wintersport in mittleren Höhenlagen wird zwar nicht von heute auf morgen verschwinden, weil Mutter Natur immer mal wieder einen Ausreißer mit heftigen Flocken parat hat, aber das große Ganze wandelt sich unaufhaltsam. Wir werden uns wohl daran gewöhnen müssen, dass der prasselnde Regen im Januar bald öfter unser Begleiter ist als das leise Rieseln des Schnees. Wer schlau ist, packt in Zukunft einfach beides ein: die Skier für den Optimismus und die Wanderschuhe für die Realität.
Quellen Deutscher Wetterdienst